Wer häufig Kopfschmerzen oder Migräne hat, kennt die Frage in der Arztpraxis: „Wie oft, wie stark, wie lange?“ Aus dem Gedächtnis lässt sich das kaum beantworten. Ein Kopfschmerztagebuch (auch Kopfschmerzkalender oder Migränetagebuch) hält jede Attacke mit Stärke, Dauer, Begleitsymptomen, Medikamenten und möglichen Auslösern fest – und macht so Muster sichtbar, die sonst verborgen bleiben.
Auf einen Blick
- Pro Kopfschmerztag eintragen: Stärke (0–10), Dauer, Art und Ort des Schmerzes, Begleitsymptome, Medikament und Wirkung, mögliche Auslöser.
- Wichtig ist auch, an wie vielen Tagen im Monat du Schmerzmittel nimmst: Ab 10 Tagen pro Monat sprechen Fachleute von Medikamentenübergebrauch.
- Vorlagen gibt es als PDF (z. B. auf Basis des Kalenders der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft), digital bietet die DMKG eine kostenlose App an.
- Das Tagebuch ersetzt keine Diagnose – es ist die Grundlage für das Gespräch mit Ärztin oder Arzt.
Wofür ist ein Kopfschmerztagebuch gut?
Ein Kopfschmerzkalender hilft vor allem dabei, die Art der Kopfschmerzen einzuordnen und die Behandlung zu planen – so beschreibt es die Apotheken Umschau mit Blick auf den Kopfschmerzkalender der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Konkret zeigt dir das Tagebuch nach einigen Wochen:
- Häufigkeit: An wie vielen Tagen im Monat hast du tatsächlich Kopfschmerzen?
- Muster: Ist der Schmerz eher pulsierend und einseitig oder dumpf-drückend und beidseitig? Gibt es Vorboten (Aura) oder Übelkeit?
- Auslöser: Häufen sich Attacken nach Stress, am Wochenende, bei verändertem Schlaf oder rund um die Menstruation?
- Medikamente: Was hilft, was nicht – und an wie vielen Tagen nimmst du überhaupt etwas ein?
Was gehört in ein Kopfschmerztagebuch?
Ein guter Orientierungspunkt ist der Kopfschmerzkalender, den die DKV auf Grundlage des DMKG-Kalenders herausgibt. Er sieht für jeden Tag des Monats eine Zeile mit diesen Spalten vor:
| Spalte | Was du einträgst |
|---|---|
| Tag | Datum (1–31) |
| Stärke | 0 = kein Schmerz bis 10 = stärkster vorstellbarer Schmerz |
| Dauer | Wie viele Stunden der Schmerz anhielt |
| Art des Schmerzes | pulsierend/stechend oder dumpf/drückend |
| Ort | einseitig oder beidseitig |
| Vorboten (Aura) | Flimmern vor den Augen, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen |
| Begleitsymptome | Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Lärm- oder Geruchsempfindlichkeit, tränendes oder gerötetes Auge, laufende/verstopfte Nase |
| Medikament | Welches Mittel, in welcher Form und Menge |
| Wirkung | Hat das Mittel geholfen? Ja / wenig / nein |
| Auslöser | z. B. Stress, Entspannungsphase nach Stress, veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, Menstruation, eigene Auslöser |
Tipp: Trag auch kopfschmerzfreie Tage ein (z. B. mit einem Strich). Nur so sieht man später, ob der Kalender lückenlos geführt wurde.
Beispiel-Eintrag:
Tag 14 · Stärke 7 · Dauer 9 h · pulsierend, einseitig links · keine Aura · Übelkeit, lichtempfindlich · Medikament A, 1 Tablette · hat geholfen: wenig · Auslöser: kurze Nacht, Stress
Medikamententage zählen: die 10-Tage-Regel
Ein Grund, warum Ärztinnen und Ärzte so gern Kopfschmerztagebücher sehen: Zu häufig eingenommene Schmerz- und Migränemittel können selbst Kopfschmerzen auslösen. Laut einer Patienteninformation des LMU Klinikums München liegt ein Medikamentenübergebrauch vor, wenn Akutmedikamente an 10 oder mehr Tagen pro Monat eingenommen werden. Halten typische Kopfschmerzen und diese Einnahme über drei Monate an, spricht man von Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch.
Gezählt werden dabei die Einnahmetage, nicht die Zahl der Tabletten – und zwar alle Schmerz- und Migränemittel zusammen. Genau das lässt sich mit einem Tagebuch einfach nachhalten. Steigt die Zahl der Tage mit Schmerzmitteln, empfiehlt die LMU-Information, frühzeitig neurologischen Rat einzuholen.
Kopfschmerztagebuch als Vorlage zum Ausdrucken (PDF)
Auf Papier funktioniert ein Kopfschmerzkalender am besten als Monatstabelle: eine Zeile pro Tag, die Spalten wie oben beschrieben. Genau so ist unsere Vorlage aufgebaut: zwei Seiten im Querformat (Tag 1–16 und 17–31) mit Feldern zum Ankreuzen für Art, Ort und Begleitsymptome, Spalten für Medikament, Wirkung und Auslöser sowie einem Kästchen für die Zahl der Tage mit Schmerzmitteln im Monat.
Weitere kostenlose PDF-Vorlagen bieten unter anderem die DKV (Kopfschmerzkalender auf Basis des DMKG-Kalenders) und das Westdeutsche Kopfschmerzzentrum in Essen an, dessen Kalender zusätzlich Fehlzeiten in Schule oder Beruf abfragt.
Leg den Kalender dorthin, wo du ihn täglich siehst – zum Beispiel neben die Medikamente – und trag abends kurz ein, was war. Ein ausgefüllter Monat ist beim Arzttermin oft aussagekräftiger als jede Erinnerung.
Kopfschmerztagebuch als App
Wer lieber das Smartphone nutzt: Die DMKG-App der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ist ein kostenloser Kopfschmerzkalender. Laut Apotheken Umschau fragt sie täglich ab, ob Kopfschmerzen aufgetreten sind, erfasst Stärke, Dauer, weitere Symptome und Medikamente und erstellt Zusammenfassungen, die du für den Arzttermin herunterladen und ausdrucken kannst. Die App ist aus dem Forschungsprojekt „Kopfschmerzregister der DMKG“ entstanden; anonymisierte Daten fließen in die Forschung ein.
| Papier/PDF | App (z. B. DMKG-App) | |
|---|---|---|
| Kosten | kostenlos | kostenlos |
| Erinnerung | nur durch Gewohnheit | tägliche Abfrage |
| Auswertung | selbst zählen | Zusammenfassung automatisch |
| Datenschutz | bleibt bei dir | Daten liegen in der App, ggf. anonymisiert für Forschung |
Wann du nicht auf das Tagebuch warten solltest
Ein Kopfschmerztagebuch ist für wiederkehrende Kopfschmerzen gedacht. Laut MSD Manual sollte man sofort ärztliche Hilfe suchen, wenn Kopfschmerzen zum Beispiel mit diesen Warnzeichen auftreten:
- plötzlich einsetzender, extrem starker Kopfschmerz („wie ein Donnerschlag“)
- Sehstörungen, Schwäche, Benommenheit, Verwirrtheit, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen
- Fieber zusammen mit einem steifen Nacken
- Kopfschmerzen, die immer schlimmer werden
Im Notfall: 112. Außerhalb der Praxiszeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kopfschmerztagebuch und Migränetagebuch?
Im Alltag meinen beide Begriffe dasselbe. Ein Kopfschmerzkalender erfasst alle Kopfschmerzen – das ist sinnvoll, weil sich erst aus den Einträgen ergibt, ob es sich um Migräne, Spannungskopfschmerz oder etwas anderes handelt.
Wie lange sollte ich ein Kopfschmerztagebuch führen?
Eine feste Mindestdauer nennen die von uns geprüften Quellen nicht. Da die Kalender monatsweise aufgebaut sind und die Regeln zum Medikamentenübergebrauch in Tagen pro Monat rechnen, ist mindestens ein vollständiger Monat sinnvoll; frag am besten deine Ärztin oder deinen Arzt, wie lange du ihn vor dem Termin führen sollst.
Zählt eine halbe Tablette auch als Medikamententag?
Ja. Laut LMU-Patienteninformation zählt jeder Tag, an dem du ein Akut-Schmerzmittel nimmst – unabhängig von Menge oder Darreichungsform.
Gibt es ein Kopfschmerztagebuch für Kinder?
Ja, einige Kinderkliniken bieten eigene Vorlagen an, etwa die Kinderklinik des Universitätsklinikums Würzburg mit einem kindgerecht formulierten Wochen-Kopfschmerzkalender (Schmerzskala 1–10 als Maßband).
Mehr Tagebuch-Arten für Gesundheit und Alltag findest du in der Übersicht aller Tagebücher.
Quellen
- DKV Deutsche Krankenversicherung: Kopfschmerzkalender (PDF, Stand 11/2022, auf Basis des DMKG-Kalenders)
- LMU Klinikum München: Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch (Patienteninformation, PDF)
- Apotheken Umschau, Dr. Nina Buschek (28.04.2022): Kostenloser Kopfschmerzkalender fürs Smartphone
- Westdeutsches Kopfschmerzzentrum Essen: Kopfschmerztagebuch (PDF)
- Universitätsklinikum Würzburg, Kinderklinik: Kopfschmerzkalender für Kinder (PDF, Stand 08/2022)
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten): Überblick über Kopfschmerzen