Angela Merkels Buch heißt „Freiheit“; wie Wolfgang Schäuble und Barack Obama hat sie ihre Erinnerungen selbst vorgelegt, gemeinsam mit ihrer langjährigen Beraterin Beate Baumann, über andere Personen der Zeitgeschichte haben Biografinnen und Biografen geschrieben. Memoiren zeigen, wie jemand die eigene Rolle sehen möchte; Biografien von außen ergänzen, was dabei fehlt. Hier findest du bekannte politische Memoiren und Biografien mit den Buchdaten der Verlage und einer kurzen Zusammenfassung, was die Kritik dazu sagte.
Auf einen Blick
- Angela Merkel: „Freiheit. Erinnerungen 1954-2021“ (mit Beate Baumann), Kiepenheuer & Witsch 2024, 736 Seiten.
- Wolfgang Schäuble: „Erinnerungen. Mein Leben in der Politik“, Klett-Cotta 2024, laut Verlag unmittelbar vor seinem Tod fertiggestellt.
- Barack und Michelle Obama: „Ein verheißenes Land“ (2020) und „Becoming“ (2018).
- Biografien über Personen der Zeitgeschichte: Ulrike Meinhof (Jutta Ditfurth), Jürgen Habermas (Stefan Müller-Doohm).
Transparenz: Buchdaten nach den Verlagsseiten (Stand Oktober 2026), für Jutta Ditfurths Meinhof-Biografie nach Perlentaucher. Die Stimmen der Kritik stammen aus den Rezensionsnotizen bei Perlentaucher, einem Online-Magazin, das Buchbesprechungen großer Zeitungen zusammenfasst. Eine eigene Bewertung der Bücher findet hier nicht statt. Keine Affiliate-Links.
Politische Memoiren im Überblick
| Buch | Verlag, Jahr | Umfang | Zeitraum/Thema |
|---|---|---|---|
| Angela Merkel (mit Beate Baumann): Freiheit. Erinnerungen 1954-2021 | Kiepenheuer & Witsch, 2024 | 736 S. | DDR-Jahre, 1989, Kanzlerschaft |
| Wolfgang Schäuble: Erinnerungen. Mein Leben in der Politik | Klett-Cotta, 2024 | 656 S. | Jahre unter Kohl und Merkel |
| Barack Obama: Ein verheißenes Land | Penguin Verlag, 2020 | 1.024 S. | Herkunft, Aufstieg, erste Amtszeit |
| Michelle Obama: Becoming. Meine Geschichte | Goldmann, 2018 | 544 S. | Kindheit in Chicago bis Weißes Haus |
Angela Merkel: „Freiheit“
Merkels Memoiren, geschrieben gemeinsam mit ihrer langjährigen Beraterin Beate Baumann, erzählen von zwei Leben in zwei deutschen Staaten: 35 Jahre in der DDR und 35 Jahre im wiedervereinigten Deutschland. Es geht um Kindheit, Studium und das Jahr 1989, um den Beginn ihrer politischen Laufbahn, um Gespräche mit Staats- und Regierungschefs und um Entscheidungen an nationalen, europäischen und internationalen Wendepunkten ihrer Kanzlerschaft (Kiepenheuer & Witsch, erschienen am 26. November 2024, 736 Seiten, ISBN 9783462005134).
Was die Kritik sagte: Von den acht Rezensionen, die Perlentaucher zusammenfasst, fielen die meisten kritisch aus (NZZ zweimal, FAZ zweimal, taz). Zeit und Süddeutsche Zeitung urteilten gemischt, die Frankfurter Rundschau wohlwollend. Gelobt wurde vor allem der Teil über das Aufwachsen in der DDR (Zeit, SZ). Kritisiert wurden die geringe Selbstkritik zur Kanzlerschaft, etwa in der Russland-, Corona- und Migrationspolitik, sowie ein nüchterner, teils trockener Stil („staubtrocken“ in der SZ, „dröge“ in der NZZ).
Wolfgang Schäuble: „Erinnerungen“
Schäuble starb 2023; seine Memoiren erschienen am 8. April 2024 und wurden laut Verlag unmittelbar vor seinem Tod fertiggestellt (Klett-Cotta, 656 Seiten, ISBN 9783608987041). Er schildert seine Laufbahn in den Jahren unter Kohl und Merkel, laut FAZ-Rezension auch die zeitweisen Zerwürfnisse mit beiden.
Was die Kritik sagte: Die drei Rezensionen, die Perlentaucher zusammenfasst, fielen unterschiedlich aus. Jasper von Altenbockum (FAZ) zeigte sich von Schäubles Einblicken in die Politik beeindruckt. Lukas Wallraff (taz) hielt das Buch für lesenswert, kritisierte aber einzelne Positionen, etwa Schäubles Kurs gegenüber Griechenland. Alexander Kissler (NZZ) blieb skeptisch: Schäuble verteidige seine Positionen zur Islamkonferenz und zur Flüchtlingskrise und wolle nicht als bloßer Verwalter der Macht gelten; man lerne viel aus dem Buch, vielleicht eher, wenn man es gegen den Strich lese.
Barack Obama und Michelle Obama
„Ein verheißenes Land“ ist der erste Band von Barack Obamas Präsidentschaftserinnerungen (Penguin Verlag, 2020, 1.024 Seiten mit 32 Seiten Farbbildteil). Er erzählt von der Suche nach Identität, dem Weg in die Politik, dem Wahlkampf und den ersten Jahren im Amt. Laut Perlentaucher lobte die FAZ den Stil und die faire Haltung auch gegenüber Gegnern; SZ und taz gingen auf seine Auseinandersetzung mit Rassismus in der US-Politik ein. Kritisiert wurden zu viel Zurückhaltung bei der Selbstoffenbarung (FAZ), ein bisweilen belehrender (SZ) oder pathetischer Ton (Welt) und fehlende Selbstkritik etwa zur Nähe der Demokraten zur Wall Street (taz); die SZ dagegen sah deutliche Selbstkritik.
„Becoming. Meine Geschichte“ von Michelle Obama (Goldmann, 2018, 544 Seiten) reicht von ihrer Kindheit in der South Side von Chicago über ihre Arbeit als Anwältin bis zu den Jahren im Weißen Haus. Perlentaucher fasst eine Rezension zusammen: In der Zeit lobte Elisabeth von Thadden die beobachtungsreiche, scharfsinnige Erzählung und las es vor allem als politisches Buch mit einem weitgehend kritischen Blick auf die Macht. Daneben fand sie den für Autobiografien von First Ladys üblichen Mix aus Weiblichkeit, Macht, Intimität und Geld.
Biografien über politische Personen und Denker
| Buch | Verlag, Jahr | Umfang | Kritik laut Perlentaucher |
|---|---|---|---|
| Jutta Ditfurth: Ulrike Meinhof. Die Biografie | Ullstein, 2007 | 480 S. | gemischt: Zeit und SZ überwiegend zustimmend (Zeit: Recherche und Deutung von Meinhofs Weg; SZ: Deutung von Meinhofs Weg), FAZ deutlich kritisch (fehlende Distanz zur Protagonistin, einseitig) |
| Stefan Müller-Doohm: Jürgen Habermas. Eine Biographie | Suhrkamp, 2014 | 784 S. | gemischt bis kritisch: NZZ lobend; Welt und SZ gemischt (Darstellung der Debatten und Detailtreue gelobt, zu wenig Abstand); taz und Zeit kritisch (zu nacherzählend, zu wohlwollend) |
| Stefan Müller-Doohm: Jürgen Habermas (Reihe Suhrkamp BasisBiographien, gegliedert in Leben, Werk, Wirkung) | Suhrkamp, 2008 | 157 S. | kurze Einführung; die eine Rezension (SZ) negativ: wenig Neues, zu wenig Distanz |
Welches Buch für welche Frage?
Die Bücher decken sehr unterschiedliche Zeiträume und Themen ab. Die Tabelle ordnet sie danach, was du wissen willst, und nennt dazu den wichtigsten Hinweis aus den Rezensionen.
| Du willst wissen … | Buch | Hinweis aus den Rezensionen |
|---|---|---|
| wie Angela Merkel ihr Aufwachsen in der DDR und das Jahr 1989 erlebt hat | Merkel: Freiheit (erster Teil) | diesen Teil lobten Zeit und SZ |
| wie ein Beteiligter aus der CDU die Jahre unter Kohl und Merkel schildert | Schäuble: Erinnerungen | die NZZ empfiehlt, es eher gegen den Strich zu lesen |
| wie Barack Obama seinen Weg in die Politik und seine erste Amtszeit darstellt | Obama: Ein verheißenes Land | die FAZ vermisst mehr Selbstoffenbarung |
| wie Michelle Obama ihren Weg von Chicago ins Weiße Haus erzählt | Michelle Obama: Becoming | die Zeit liest es als politisches Buch |
| wie eine Biografin Ulrike Meinhofs Weg in den Terrorismus deutet | Ditfurth: Ulrike Meinhof | die FAZ kritisiert fehlende Distanz, die Zeit lobt die Recherche |
| welche Debatten Jürgen Habermas geführt hat | Müller-Doohm: Jürgen Habermas. Eine Biographie | die Darstellung der Debatten loben Welt und SZ |
| Habermas in kurzer Form kennenlernen (157 Seiten) | Müller-Doohm: Jürgen Habermas (BasisBiographie) | die SZ fand wenig Neues |
Memoiren oder Biografie: Was lesen?
- Memoiren zeigen die Innensicht: Wie hat jemand Entscheidungen erlebt und wie will er oder sie gesehen werden? Bei Merkel vermissten laut Perlentaucher mehrere Rezensionen mehr Selbstkritik. Bei Obama vermisste sie die taz, während die SZ ihm deutliche Selbstkritik am ausgebliebenen gesellschaftlichen Wandel bescheinigte.
- Biografien bieten die Außensicht: Jemand anderes ordnet das Leben ein. Auch sie können zu nah an ihrer Figur sein; der Meinhof-Biografie von Jutta Ditfurth warf die FAZ laut Perlentaucher fehlende Distanz vor.
- Tipp: Beides kombinieren: zuerst die Memoiren, dann eine Biografie oder Rezensionen als Gegenperspektive.
Was gegen Memoiren als Innensicht spricht
Aus der Geschichtswissenschaft kommt ein Einwand gegen das Lesen von Memoiren als Innensicht. Das Historische Lexikon Bayerns beschreibt die Autobiographie im Artikel von Nikola Becker als „sozialen und kommunikativen Akt der Konstruktion“. Schreibzeitpunkt und Absichten des Autors seien deshalb quellenkritisch zu beachten. Als hervorstechende Funktion deutscher Autobiographik nach 1945 nennt der Artikel die Apologie, also die Rechtfertigung vor Zeitzeugen und Nachwelt.
Der Artikel untersucht Autobiographien von Personen der bayerischen Geschichte nach 1945, nicht die Bücher auf dieser Seite. Er zeigt aber die Grenze des Tipps oben: Wer mit den Memoiren beginnt, liest zuerst die Fassung, in der die Person gesehen werden will. Wenn du das vermeiden möchtest, beginnst du mit einer Biografie oder mit den Rezensionen und liest die Memoiren danach.
Weiterlesen
Den Unterschied zwischen Biografie, Autobiografie und Memoiren erklärt ausführlicher der Beitrag Biografie schreiben. Weitere Lebensgeschichten findest du in den Beiträgen Memoiren und Autobiografien und Biografien berühmter Persönlichkeiten sowie in der Kategorie Biografien.
Häufige Fragen
Wie heißt das Buch von Angela Merkel?
„Freiheit. Erinnerungen 1954-2021“, geschrieben gemeinsam mit Beate Baumann, erschienen am 26. November 2024 bei Kiepenheuer & Witsch.
Wie dick ist Merkels Buch?
Die gebundene Ausgabe hat laut Verlag 736 Seiten.
Gibt es Merkels „Freiheit“ als E-Book oder Hörbuch?
Ja. Kiepenheuer & Witsch führt neben der gebundenen Ausgabe ein E-Book; das Hörbuch ist laut Verlagsseite bei Argon erschienen.
Quellen
- Kiepenheuer & Witsch: Angela Merkel: Freiheit
- Klett-Cotta: Wolfgang Schäuble: Erinnerungen
- Penguin Verlag: Barack Obama: Ein verheißenes Land
- Goldmann: Michelle Obama: Becoming
- Suhrkamp: Stefan Müller-Doohm: Jürgen Habermas. Eine Biographie und Jürgen Habermas (BasisBiographie)
- Historisches Lexikon Bayerns: Nikola Becker: Autobiographien (nach 1945)
- Perlentaucher: Angela Merkel: Freiheit
- Perlentaucher: Wolfgang Schäuble: Erinnerungen
- Perlentaucher: Barack Obama: Ein verheißenes Land
- Perlentaucher: Michelle Obama: Becoming
- Perlentaucher: Jutta Ditfurth: Ulrike Meinhof
- Perlentaucher: Stefan Müller-Doohm: Jürgen Habermas. Eine Biographie und Jürgen Habermas (BasisBiographie)
